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Pressemitteilung
"Keine Einstellung
des Bücherbusses"
Geplante Einspareffekte
sind "Luftbuchung" / Kultur-, bildungs-
und sozialpolitischer Skandal
Köln, 23.08.2010. Der
Förderverein der StadtBibliothek Köln e.V. weist den Vorschlag
der städtischen "Task-Force", den letzten noch verbliebenen
Bücherbus einzustellen mit aller Entschiedenheit zurück: "Dieser
Plan ist kultur-, bildungs- und auch sozialpolitisch verheerend. Denn
betroffen wären insbesondere Kinder, alte und behinderte Kölnerinnen
und Kölner- sowie vor allem Menschen in den kulturell benachteiligten
Stadtgebieten. Darüber hinaus halten die angenommenen Einspareffekte
einer seriösen Betrachtung in keiner Weise stand und entpuppen sich
als klassische finanzpolitische Luftbuchung'."
Mit dem vermeintlichen Einsparvorschlag
erleben die Bürgerinnen und Bürger Kölns zur Zeit ein Déja-vu:
der letzte Bücherbus der StadtBibliothek Köln soll im Zuge der
städtischen Sparmaßnahmen geschlossen werden. "Dies ist
vor allem angesichts der Historie des Busses ein schier unglaubliches
Ansinnen", so der Förderverein.
Zum Hintergrund: 2004 gründete
sich der Förderverein StadtBibliothek Köln e.V., nachdem die
ehemalige Busbibliothek mit fünf Bussen geschlossen worden war. Dem
Verein gelang es, einen der Busse, der gerade von der Stadtbibliothek
neu erworben worden war, zu retten. Mit einer enormen Spendenakquise,
Kreativität und großem bürgerschaftlichem Engagement hat
der Förderverein den Bücherbus danach drei Jahre lang unterhalten
und maßgeblich zu seiner Rückführung in die städtische
Trägerschaft im Jahre 2007 beigetragen.
Betroffen sind vor allem Kinder,
alte und behinderte Menschen
Der Verein stand damals vor der schweren Aufgabe, den Haltestellenpool
von über 70 auf 18 zu reduzieren, um damit vor allem den Menschen
in den Kölner Randgebieten ein gutes, professionelles Medien- und
Beratungsangebot zurückzugeben. Besonders Kinder, aber auch alte
und behinderte Menschen können die oft weit entfernten Stadtteilbibliotheken
nicht aufsuchen. Hier ist der mobile Bücherbus die Alternative schlechthin.
Der Bus hält beispielsweise in Porz-Gremberghoven, Höhenhaus,
Lind und Blumenberg, also Bezirken, die kulturelle Angebote dringend benötigen.
Angenommene Einspareffekte
sind "Milchmädchenrechnung"
Die Einstellung des letzten noch verbliebenen Bücherbusses wäre
damit nicht nur kultur-, bildungs- und sozialpolitisch ein Skandal erster
Güte. Auch die angenommenen Einspareffekte entpuppen sich bei genauerer
Betrachtung als klassische "Milchmädchenrechnung" der Verwaltung.
Die Fakten:
1. Der Bücherbus kostet die Stadt Köln pro Jahr insgesamt nur
rund 108.000 Euro - und erreicht damit 43.500 Besucher (2009)
2. In die städtische Kasse bringt der Bus zudem jährlich rund
17.000 Euro - und das obwohl nicht beitragspflichtige Kinder die Hauptnutzer
sind.
3. Auch bei einer Stilllegung des Bücherbusses fielen in den nächsten
Jahren weiterhin Kosten von jährlich 31.000 Euro für die Abschreibung
an. (Der Verkauf des speziell ausgerüsteten Bücherbusses zu
einem angemessen Preis ist unrealistisch.)
"Was bleibt dann noch
an wirklichem Einspareffekt, verglichen mit dem, was man an hohem kultur-,
bildungs- und sozialpolitischem Nutzen wegwirft?", fragt deshalb
zu Recht der Vorsitzende des Fördervereins der StadtBibliothek Köln
e.V., Anton Bausinger.
Ein minimaler Entlastungseffekt
für den Haushalt trete überhaupt erst zu einem Zeitpunkt ein,
wenn sich das Haushaltsdefizit der Stadt aufgrund der sich ja schon abzeichnenden
konjunkturellen Erholung wieder verringern wird. Strukturen, die jetzt
- ohne wirkliche Einspareffekte - zerschlagen werden, müssten dann
mit noch viel höherem finanziellem Aufwand wieder aufgebaut werden.
Eine Schließung des hervorragend genutzten Bücherbusses würde
außerdem das bürgerschaftliche Engagement, zu dem explizit
auch die Arbeit der Fördervereine gehöre, mit Füßen
treten.
"Die StadtBibliothek Köln
ist eine professionelle und unverzichtbare kulturelle Basiseinrichtung
und hat in Köln innerhalb der Kultur- und Bildungseinrichtungen bei
weitem die höchsten Besucherzahlen. Trotzdem wurde gerade die Stadtbibliothek
in den letzten Jahrzehnten überproportional zur Kasse gebeten und
viele ihrer Einrichtungen geschlossen.
"Zu einem Zeitpunkt, da der Bedarf an Leseförderung, Sprache,
Integration und kultureller Bildung in einer zunehmend multikulturell
geprägten Stadt am größten ist, maßgebliche Angebote
zu reduzieren ist ein Skandal", erklärt der Vorsitzende des
Fördervereins. "Wir lassen es nicht länger zu, dass Kultur
und Bildung trotz gegenteiliger Lippenbekenntnisse immer zuerst dem Rotstift
zum Opfer fallen.
Wir fordern: Keine weiteren Kürzungen bei der StadtBibliothek Köln
und insbesondere den Erhalt des letzten noch verbliebenen Bücherbusses."
Medienkontakt:
Förderverein der StadtBibliothek Köln e.V., c/o Friedrich Wassermann
GmbH, Eupener Str. 74, 50933 Köln, Telefon 0221-49876-26
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